Thema - Rund um den Hund
Die “Themen des Monats” aus dem Newsletter der Hundeschule Dr. Sandra Bruns zum Nachlesen. Wollen Sie diese Informationen aktuell und regelmäßig lesen, können Sie hier den Newsletter abonnieren: Einmal im Monat aktuelle Informationen zu Kursen, Aktionen und weiteren Angeboten der Hundeschule plus das ausführliche “Themen des Monats”.
- Kong® - eine praktische Beschäftigungsidee
Silvester: Linderung bei "Geräusch-Angst"
Newsletter Nr. 67 (12.12.2011) - Futterbelohnungen im Hundetraining
Newsletter Nr. 66 (08.11.2011) - Kommando-(Signal-)kontrolle
Newsletter Nr. 65 (10.10.2011)
12.12.2011
Kong® - eine praktische Beschäftigungsidee
Aus dem Newsletter Nr. 67
Für alle, die es noch nicht kennen: Begeisterung und Wohlbefinden kann man bei (fast) jedem Hund mit einem gefüllten Kong® auslösen. Hierfür sucht man am besten einen glockenförmigen Kong aus und füllt den mit verschiedenen Leckereien: Schmelzkäse, Erdnuss-Creme, Leberwurst; wenn man einen Löffel dieser Superleckerli mit Trockenfutter (vorher ca. 2-5 min. in heißem Wasser anweichen lassen) verrührt, wird der Hund sogar noch sein "täglich Brot" als Festmahl verspeisen.
Vorteil der Kongfütterung: die spaßige Beschäftigung powert die Hunde aus, das Lecken bringt sogar unruhige Geister zum Entspannen.
Selbst Problemverhalten, wie z.B. der Geräuschangst (siehe nachfolgender Text), kann man mit solchen Beschäftigungsspielen entgegen wirken.
Silvester: Linderung bei "Geräusch-Angst"
Aus dem Newsletter Nr. 67
Die meisten Hunde mögen die Knallerei zu Silvester ganz und gar nicht. Manche haben regelrecht eine Geräuschphobie, die soweit führt, dass der Hund sich verkriecht und gar nicht mehr vor die Tür will oder hektisch hechelnd und zitternd in der Wohnung herum läuft. Solche Hunde sollten unter fachlicher Anleitung durch einen Verhaltensmediziner therapeutisch behandelt werden, um zumindest eine Verschlimmerung des Problems zu verhindern.
Bei milden Angstsymptomen und zur Prävention kann man allerdings auch eine ganze Menge zur Stresslinderung beitragen. Beispielsweise kann man die Fütterung des Hundes möglichst frühzeitig (spätestens zu Weihnachten) so umstellen, dass er sich das Futter über einen Kong erarbeiten muss. Hierdurch wird der Hund besser ausgelastet und bekommt gleichzeitig einen "Beruhigungs-Nuckel" für aufregende Situationen. Dies kann man dann auch zum Silvesterabend anbieten. Ein Hund, der den Kong liebt, kann dann trotz der Knallerei etwas Entspannendes erleben.
Die Einrichtung der Wohnung sollte so angeboten werden, dass Rollos oder Vorhänge geschlossen werden, um möglichst wenig Geräusche zum Hund dringen zu lassen. Ein Rückzugsort unter dem Tisch oder im Badezimmer wird von vielen Hunden gern angenommen. Sollte der Hund Angst haben, darf man auf keinen Fall beruhigend auf ihn einreden, da dies die Angst verstärkt.
Auf den nötigen Gassigängen sollte man den Hund angeleint halten, um ein erschrecktes Weglaufen zu verhindern Über verschiedene Futterzusätze kann man den Hund zusätzlich versuchen zu entspannen: hier gibt es aktuell das beruhigend wirkende Trockenfutter Royal Canin Calm® (für Hunde bis 15 kg) oder das Mittel Zylkene®. Außerdem ist das Pheromonhalsband Adaptil® (früher DAP) auf dem Markt. Alle drei Mittel sind beim Tierarzt erhältlich. In schweren Fällen einer Geräuschphobie kann der Tierarzt mit angstlösenden Psychopharmaka helfen.

Bei Geräuschängsten des Hundes kann über eine gezielte Verhaltensmodifikation mithilfe von Geräusch-CDs (Sound Scary von www.tierverhaltenstherapie-shop.de) gearbeitet werden.
Das entsprechende Training sollte jedoch spätestens im Sommer, besser noch amAnfang des neuen Jahres begonnen werden, da es über mehrere Monate durchgeführt werden muss.
08.11.2011
Futterbelohnungen im Hundetraining
von Dipl.-Biol. Anneke Herlyn
Aus dem Newsletter Nr. 66
Ich stehe mit meinen Hunden an einer roten Ampel. Da die Ampel gerade erst umgesprungen war, lasse ich die Hunde sitzen und belohne sie mit einem Stück Trockenfutter. "Das machen die ja nur, weil die wissen, dass es dafür ein Leckerli gibt" ertönt die Stimme eines älteren Herrn neben mir. "Stimmt" sage ich zufrieden. Auf dem Heimweg denke ich darüber nach, warum sich dieses Bild des "bestechenden" Menschen, sobald er seinen Hund mit Futter belohnt, so stark in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat. Denn mittlerweile ist schon sehr lange bekannt, dass man mit dem Belohnungsprinzip im Hundetraining langfristige Erfolge erzielen kann, und das auf eine absolut artgerechte Weise.
Es gibt im Tiertraining, so auch im Hundetraining, vier Wege ans Ziel zu kommen. Die positive und negative Belohnung sowie die positive und negative Strafe. Ich möchte diese vier Wege hier kurz erläutern.
Zunächst sei erwähnt, dass positiv und negativ in diesem Fall Zuführen und Wegnehmen bedeuten. Man sagt eine Belohnung führt dazu, dass ein Verhalten öfter gezeigt wird, sowie der Hund, der am Tisch bettelt, weil Herrchen eben ab und zu doch "aus Versehen" etwas fallen lässt. Strafe führt hingegen dazu, dass ein Verhalten seltener gezeigt wird. Von einer positiven Belohnung sprechen wir, wenn wir etwas für den Hund angenehmes hinzufügen (Futter, Spielzeug, Sozialkontakte, etc.). Negative Belohnung bedeutet hingegen, es wird etwas unangenehmes weggenommen (z.B. der Hund wird abgeleint). Positive Strafe heißt also ich füge etwas Unangenehmes hinzu (Leinenruck, Schimpfen, Sprühstoß etc.) und negative Strafe ich nehme etwas Angenehmes weg (z.B. Entziehen der Aufmerksamkeit durch Ignorieren des Hundes).
Alle vier Trainingswege führen bei fachgerechter Anwendung zum Ziel. Da scheint es doch logisch, sich die ethisch-moralisch vertretbarsten Methoden, die zudem noch die geringsten "Nebenwirkungen" aufweisen, herauszugreifen. Wir landen also bei der positiven Belohnung und bei der negativen Strafe. So kann ich jedes Verhalten in die gewünschte Richtung lenken, ohne den Hund körperlich oder psychisch bestrafen zu müssen, sprich ohne ihm Schaden zuzufügen. Laut Tierschutzgesetzt sind wir sogar gesetzlich dazu verpflichtet Schaden an unseren Mitgeschöpfen (so auch unseren Hunden) zu vermeiden.
Warum ist es für viele Menschen trotzdem so schwer, über ihren Schatten zu springen und sich mit dem "verpönten Futterbeutel" auf die Hundewiese zu trauen? Ich denke, es liegt an einer einfachen begrifflichen Ungenauigkeit. Im Volksmund wird immer von Hundeerziehung gesprochen und Erziehung impliziert das Vermitteln von moralischen Grundsätzen. Und dazu sind unsere Hunde eben nicht in der Lage. Ein Hund kann nicht wissen was "gut" und was "böse" ist und ebenso wenig was "richtig" und was "falsch".

Wir sollten uns von dieser Vorstellung befreien und akzeptieren, dass ein Hund (und zwar jeder einzelne, ohne Ausnahme) immer das Optimum für sich herausholen möchte - sie sind Opportunisten, wie der Mensch auch. Dabei vermag der Hund jedoch nicht in irgendeiner Weise (weder mitleidig noch argwöhnisch) über seine Sozialpartner nachzudenken. Das heisst auch: gelernter Gehorsam ist unabhängig von der Beziehung des Hundes zu seinem Menschen. Dies vor Augen gehalten, fällt es plötzlich leicht zu sagen "Ich möchte, dass mein Hund sich auf Signal hinsetzt, also belohne ich ihn dafür!".
Natürlich führt auch dieses Prinzip nur dann zum erwünschten Erfolg, wenn es fachgerecht angewendet wird. Dafür muss in erster Linie das Timing stimmen. Hierzu eignet sich sowohl ein Lobwort als auch beispielsweise ein Clicker als sekundärer Verstärker.

Dabei ist zu beachten, dass auf einen sekundären Verstärker immer eine Belohnung folgen sollte. Man kann zusätzlich ein sogenanntes "keep-going-Signal" einführen, auf dass nur ab und an eine Belohnung folgt. Dieses Signal bedeutet dann für den Hund: Mach weiter, du bist auf dem richtigen Weg und bekommst bald eine Belohnung. Wenn ich einVerhalten belohnen möchte, so muss mein Lobwort genau in dem Moment ertönen, in dem der Hund das erwünschte Verhalten zeigt. So lernt der Hund welches Verhalten für ihn zum Erfolg führt und wird dieses öfter ausführen. Sobald der Hund das gewünschte Verhalten erlernt hat, kann angefangen werden das Futter durch intermittierende Belohnung auszuschleichen. Dadurch können wir die Motivation unseres Hundes mitzuarbeiten sogar noch steigern. Der Hund wird bei dieser Belohnungsstrategie nicht mehr jedes Mal für das gewünschte Verhalten belohnt, und zwar nach einem rein zufälligen Muster. Durch diese Undurchschaubarkeit wird die Ausführung des Signals für den Hund zu einem Glücksspiel. Und Glücksspiele können bekanntermaßen süchtig machen. Wie beim Menschen, der an einem Spielautomaten sitzt, entsteht auch im Hund das Gefühl, dass er beim nächsten Mal bestimmt "gewinnt". So steigt die Motivation des Hundes das Kommando zu befolgen. Die Häufigkeit der Futterbelohnung kann dann immer weiter verringert werden.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die Art der Futterbelohnung. Generell empfiehlt es sich, das normale Trockenfutter des Hundes als Belohnung zu verwenden. Der Hund muss sich so sein gesamtes Futter im Laufe des Tages verdienen, was die Motivation mitzuarbeiten zusätzlich steigert. So wie wir für unsere Arbeit entlohnt werden, wird der Vierbeiner es nun ebenso. So werden wir für unseren Hund sogar noch wichtiger, weil er nur in dem er etwas für uns tut satt werden kann. Für besondere Leistungen darf auch mal ein "Jackpot" in Form von besonderem Futter (Fleischwurst, Käse, etc.) oder einer ganzen Hand voll Trockenfutter gegeben werden, quasi eine Bonuszahlung.
Es empfiehlt sich weiterhin die Futterbelohnung in einem gut zugänglichen Beutel aufzubewahren. So hat man jederzeit schnell Zugriff auf die Belohnung und die Hand wandert auch erst dann in die Tasche, wenn das gewünschte Verhalten bereits gezeigt wurde. Nicht zu vergessen ist nämlich, dass der Griff in die Tasche, ebenso wie unser Lobwort, für die meisten Hunde ein sekundärer Verstärker ist. Sie haben nämlich gelernt, wenn die Hand in die Tasche geht, dann springt was für mich raus.
Ein oft gemachter Fehler hierbei ist: Der Hund bekommt ein Kommando, führt es nicht aus, wir denken "da muss ich wohl doch noch mal zum Futter greifen, weil er es noch nicht richtig gelernt hat" und greifen in die Tasche. Der Lerneffekt für den Hund: Wenn ich auf das Kommando nicht reagiere gibt es eine Belohnung. Falls man in die eben beschriebene Situation gerät, sollte man dem Hund erst später eine neue Chance geben und dabei nochmal einen Trainingsschritt zurückgehen. So verhindert man, dass der Hund etwas Falsches lernt und man als Mensch denkt, er führt uns an der Nase herum oder er macht es nur, wenn er weiß dass es dafür eine Belohnung gibt.
Arbeitet man mit seinem Hund nach dem oben beschriebenen Trainingsmodell, so kann man einen tollen Begleiter in allen Lebenslagen aus ihm machen. Zudem wird man für den Hund noch wichtiger und kann ein entspanntes, vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Tier aufbauen. Und wer wünscht sich nicht einen Hund, für den sein Mensch der tollste ist, und der gerne gehorcht?
Wenn Sie also das nächste Mal an meiner Stelle stehen, machen Sie es genauso wie ich. Freuen Sie sich, dass Sie diesen Weg für sich und Ihren Hund gefunden haben, bleiben Sie souverän, lächeln Sie und machen Sie einfach unbeirrt so weiter!
